Modisch oder männermordend?

Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen unsere Nase kitzeln, haben Tops und T-Shirts ihren Winterschlaf beendet.

„Leicht und luftig" lautet die Devise für das Frühlings- und Sommer- Outfit.

Doch immer mehr Frauen - und nicht nur sie! - sind verunsichert: Wie viel enthüllte Haut darf es sein, wenn eine Frau modisch, geschmackvoll und zugleich „schicklich" durch die warmen Jahreszeiten kommen will?

Dannah Gresh hat ihre eigene Garderobe kritisch
gemustert und macht hilfreiche Vorschläge. Eine Stilberatung der besonderen Art!

In meiner Stadt gibt es ein bestimmtes Restaurant. Jedes Mal, wenn ich daran. vorbeifahre, habe ich zu kämpfen. Ich kann zwar kaum hineinschauen, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht um meine gedanklichen Vorstellungen, wie die Kellnerinnen dort gekleidet sind.

Tatsache ist: Satan versucht fieberhaft, einen Mann nicht nur durch das zu versuchen, was er sieht, sondern auch seine Vorstellungen zu unterwandern und zu beherrschen. Diese Worte schrieb mein Mann. Obwohl er sein Leben nach Gottes Wort ausrichtet und vollzeitig im geistlichen Dienst steht, kann er - wie die meisten Männer - durch sexuelle Bilder versucht werden. Aber er scheut sich nicht, darüber zu sprechen, und das unterscheidet ihn von vielen.

Tatsache ist, dass christliche Männer stark gegen visuelle Versuchung und gedankliche sexuelle Sünde zu kämpfen haben. Man braucht nur die Männer zu befragen, die kürzlich an einer christlichen Konferenz teilnahmen: Mehr als die Hälfte gaben zu, in der Woche vor der Veranstaltung Pornografie betrachtet zu haben. Oder fragen Sie Pastoren, die Probleme mit Online- Pornografie haben. Seit kurzem gestehen einige Männer in der Seelsorge, dass es einen neuen Bereich gibt, in dem es für sie schwierig wird. „Ich habe Probleme mit der Art und Weise, wie manche Frauen in der Gemeinde gekleidet sind", sagen sie. Was soll ein Mann denn auch tun, wenn dieselbe Frau ständig in Minirock und hautenger Bluse zum Gottesdienst erscheint? Ihm bleibt kaum ein Ausweg - außer vielleicht, sich in die erste Reihe zu setzen.
Öl ins Feuer

Kürzlich erhielt ich eine E-Mail von einer unverheirateten jungen Frau, die eine Situation beschreibt, mit der viele von uns konfrontiert sind: „Ich bin 23 Jahre alt und wuchs in einer christlichen Familie auf, in der uns ein angemessenes Verhalten vermittelt wurde. Erst auf der Uni wurde mir allmählich bewusst, wie attraktiv Männer meinen Körper finden. Plötzlich weckte ich ihre Aufmerksamkeit. In unserer Gemeinde arbeite ich mit Jugendlichen zusammen. Die Frau unseres Pastors sagte mir mehrmals; meine Röcke seien zu kurz oder meine Blusen zu knapp. Aber ich wehre mich immer dagegen und weise daraufhin, dass ich mich nicht wie meine eigene Großmutter kleiden will. Und wenn ein Junge mich nicht anschauen kann, ohne an Sex zu denken, ist das sein Problem.“

Das kommt Ihnen bekannt vor? Etwas Ähnliches haben Sie auch schon gedacht? Ich ebenfalls. Die Art und Weise, wie ich mich als Single und als verheiratete Frau kleidete, kam schon öfter dem Bemühen eines Mannes in die Quere, vor Gott heilig zu leben... und, wenn er verheiratet ist, seiner Frau absolut treu zu sein. Heute betrübt mich das, denn mir wird immer mehr bewusst, wie angreifbar Männer in diesem Bereich sind! Die Sozialwissenschaft hat gezeigt, dass die sexuelle Reaktion eines Mannes durch sein autonomes (unwillkürliches) Nervensystem ausgelöst wird, das nicht vom Willen, sondern von der Umgebung gesteuert wird. Wenn ein Mann eine spärlich bekleidete Frau vorübergehen sieht, kann sein Nervensystem aktiviert werden. Das Gehirn bewirkt dann einen Ausstoß an Chemikalien, die durch seinen Körper rasen. Vielleicht spürt er den erhöhten Puls und die gestiegene Körpertemperatur. Zwar bewältigen viele Männer solche Regungen in einer guten Weise, aber die anfängliche berauschende Reaktion auf eine aufreizend gekleidete Frau können sie nicht kontrollieren. Gottes Absicht ist es, dass dieses Geheimnis zwischen Mann und Frau in der Ehe geteilt wird.


Sehnsucht nach dem Kick

In 1. Korinther 10:32 steht: "Erregt keinen Anstoß..." Welch ein unbequemer Appell, wenn es um Mode geht!

Aber das Problem bei der Unschicklichkeit ist nicht nur die Gefahr, für die christlichen Männer um uns herum ein Anstoß zur Sünde zu werden. Es geht auch um unseren Hunger nach dem emotionalen Kick, den wir empfinden, wenn wir merken, dass wir beachtet werden. Wie die Wurzel der sexuellen Sünde eines Mannes oft an das Visuelle gekoppelt ist, so ist unsere mit dem emotionalen Erleben verbunden. Ich kämpfe immer noch gegen die Versuchung, falsche Modemaßstäbe zu übernehmen.

Aber heute bin ich mir der Verantwortung bewusst, als Frau geschaffen zu sein, um auf einen einzigen Mann zu wirken - auf meinen. Nicht nur meine Garderobe musste ich neu ausrichten, sondern auch mein Herz. Die Veränderung ist mir nicht leicht gefallen; noch Jahre, nachdem ich eine Menge aufreizender Kleidungstücke weggeworfen hatte und gebeten wurde, ein Buch über Schicklichkeit zu schreiben, wehrte ich mich irgendwie dagegen. Als ich den Wurzeln dieser Gefühle nachging, merkte ich: Ihnen lag die Angst zu Grunde, Gott könnte von mir eine Veränderung meines unreinen Herzens verlangen. Und das tat ER.


Das passende Outfit

Von Auffassungen über Mode, die aus einer gesetzlichen Haltung entspringen, lasse ich mich nicht leiten, wohl aber vom Heiligen Geist, wenn er mich überführt. Seit ich diesen Impulsen nachgehe, habe ich ein paar Dinge entdeckt, die mir geholfen haben, in einer lässigen Gesellschaft, in der nackte Haut „in“ ist, einen besseren Weg zu gehen.

Wenn Sie verheiratet sind, sprechen Sie mit Ihrem Mann über Ihre Garderobe. Sind Sie unverheiratet, können Sie sich vielleicht an Ihren Vater oder einen älteren Bruder wenden. Da ich landesweit sehr viel unterwegs bin, um mit weiblichen Teenagern über sexuelle Reinheit zu sprechen, besitze ich einige modische, kofferfreundliche Outfits - unter anderem gehörte dazu eine transparente Bluse, die ich über einem schwarzen Top trug. Mein Mann sprach mich oft darauf an, aber ich habe mich immer mit der Bemerkung gewehrt, dass „alle diesen Stil tragen" und mir dieses Outfit „nie sexuell vorgekommen" sei. Doch vor einem Jahr habe ich es aus meinem Kleiderschrank entfernt - in einem Akt des Gehorsams gegen Gott.

Kürzlich erhielt ich eine E-Mail, in der eine Frau mich liebevoll auf genau dieses Outfit ansprach, das sie zuvor an mir gesehen hatte. Autsch!

Zwar kann ich mittlerweile besser verstehen, was sich im Denken eines Mannes abspielt, aber schließlich bin ich kein Mann. Mein Ehepartner kann mir besser erklären, warum ein bestimmtes Outfit unangebracht sein kann. Deshalb frage ich ihn gelegentlich nach seiner Einschätzung. Und schon manches Mal musste ich schockiert feststellen, dass Dinge, die mir angemessen erschienen, auf meinem Mann verführerisch wirkten.

Ich habe eine unverheiratete Freundin, die ihren Bruder um solche Ratschläge bittet. Ein Mann in Ihrem Leben, der in Hingabe an Gott lebt, kann ein guter Ratgeber für Sie sein.

Machen Sie den „Kleider-Test". Wenn Sie sich bei einem Einkaufsbummel nicht sicher sind, ob ein Rock die richtige Länge hat, probieren Sie es in der Umkleidekabine aus. Setzen Sie sich vor dem Spiegel auf einen Stuhl und schlagen Sie die Beine übereinander. Könnten Sie in dieser Haltung sitzen, ohne rot zu werden, wenn der Spiegel Ihr lieber alter Großvater wäre? Wenn Sie bauchfreie Jeans oder Hosen tragen, kombinieren Sie sie mit längeren Pullis. Sie sind nicht sicher, ob eine Bluse zu eng ist? Probieren Sie es einmal damit: Drücken Sie mit dem Finger auf den Stoff zwischen Ihren Brüsten und lassen Sie dann rasch wieder los. Wenn die Bluse wie ein Gummiband zurückspringt, ist sie wahrscheinlich zu straff  Fragen Sie sich doch einmal, wie der Herr Jesus Ihre Kleidung sieht! Wenn Sie Jesus Christus Ihr Leben übergeben haben, wohnt Gott in Ihnen: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe" (1. Korinther 6:19-20).                 

Wann immer Sie Kleidungsstücke auswählen, schmücken Sie den Tempel des lebendigen Gottes!

Der Apostel Petrus sagt uns, wie wir diesen Tempel schmücken sollten: „Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein ..., sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes: das ist köstlich vor Gott" (1. Petrus 3:3-4). Petrus redet nicht lange über die Mode seiner Zeit, sondern ruft die Frauen zu einem höheren Maßstab des Anstands, zu der inneren Festigkeit, zu kulturellen Forderungen „nein" zu sagen. Entwickeln wir doch in uns die innere Festigkeit, zu unschicklichen Mode-Trends „nein" zu sagen - und den Tempel Gottes innerlich und äußerlich königlich zu schmücken.


Schützende Scham (von einem Pfarrer aus Celle)

Schönheit und Scham sind Geschenke Gottes. Seine Schönheit kann der Mensch in nackte Hässlichkeit und brutale Verkommenheit verkehren. Um das Geschenk der Schönheit auch nach der Abkehr des Menschen von Gott zu erhalten, gab Gott dem Menschen die Scham. „Scham ist der Wächter des Menschenadels" (so der jüdische Theologe Samson Raphael Hirsch).

Die Scham schützt die Schönheit des Menschen vor dem Zerbrechen. Denn es gibt eine gefährliche und trügerische Seite der Schönheit. Sie tritt überall da in Erscheinung, wo Menschen meinen, Schönheit sei allein mit den Augen wahrnehmbar. Die Augen sehen zunächst nur den Körper, seine Linien und Farben.

Wo Schönheit auf die Anmut und den Reiz des Körpers reduziert wird, ist es naheliegend, dass das Sehen der Augen zum gierigen Haben- und Besitzenwollen führt. Von den Männern der Urzeit heißt es: „Sie sahen, wie schön die Frauen waren, und nahmen alle, die sie begehrten" (1. Mose 6:2).

Es ist bezeichnend, dass in der Schilderung des uneingeschränkten sexuellen Umgangs von Männern mit Frauen das Wort „schön" soviel bedeutet wie „gut bei Leibe" oder „von starkem Körperbau". Das heißt: Schönheit war reduziert auf die Linien des Körpers. Schön waren die Frauen nicht aufgrund der Harmonie der ihnen verliehenen Gaben, sondern allein wegen ihrer Brauchbarkeit zur Sexualität. Seit jenem Ereignis in der Urzeit gibt es eine verhängnisvolle Verengung des Begriffs Schönheit. Wo Schönheit auf die Körperlinien reduziert wird, wird der Körper in seiner Nacktheit verherrlicht, die Sexualität ideologisiert und der jugendliche Körper zum Maßstab aller Dinge.


Entblößte Würde

Gott hatte den Menschen als Mann und als Frau geschaffen. Beide waren nackt, und die beiden kannten keine Scham. Es gab weder zwischen den Menschen noch in ihrer Beziehung zu Gott ein Bloßstellen und Bloßgestellt werden.

Die Scham wurde erst in der Welt des Zwiespaltes nötig. Als der Mensch sich in seiner Entzweiung mit Gott erkennt, beginnt er seinen Körper zu bedecken. Der Mensch versucht, sich zu verhüllen.

Doch der Versuch des Menschen, sich selbst zu schützen, schlug fehl. Als Gott seinem gefallenen Menschen begegnete, handelte er selbst als Erhalter des Menschen- und bekleidete ihn. Gott selbst also verhüllte den Menschen. Gott erklärte die Scham des Menschen und sein Verlangen nach Kleidung nicht für ein nichtiges und der Natur widersprechendes Gefühl, sondern er schenkte dem Menschen Kleider. Die Scham und die Bekleidung sind "eine Ordnung der göttlichen Barmherzigkeit" (Gerhard v. Rad).

Mit seiner Ordnung; der Gabe der Scham und der Verhüllung, gibt Gott den Menschen eine neue Möglichkeit, miteinander zu leben. Wo ein Mensch erklärt, dass die Kleidung nicht zum Menschsein gehört, weist er das Geschenk Gottes zurück.


Die Halbbekleidung

Im Alten Testament wird an vierzig Stellen das Aufdecken des sexuellen Bereiches als Aufdecken der Scham verboten. „Das Entblößen berührt die Menschenwürde" (C. Westermann).

Die Schamlosigkeit ist also nichts anderes als die nach außen demonstrierte Haltung des Menschen, dass er keine Bindung an Gott kennt. Wer seinen Körper freizügig entblößt oder einen anderen Menschen willkürlich auszieht oder beobachtet, verletzt Scham.

Die beliebteste Spielart der Schamlosigkeit ist die sogenannte Halbbekleidung. Diese reicht von der Freizügigkeit mancher Moderichtungen bis zum Raffinement des Sex- Appeals.

Das freizügige Entblößen ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch die Tiefe der Liebe nie erfahren hat oder aber der Liebesfähigkeit verlustig ging. Er braucht keine Scham mehr, um die Liebe zu schützen, da er keine Liebe mehr hat, die verwundet werden könnte.

Das Entblößen des Körpers kann aber auch Ausdruck einer tieferen persönlichen Geschlechtsnot sein. Der zur erfüllten Sexualität Unfähige empfindet Lust, wenn er sich selbst entblößt oder heimlich andere Menschen beim Entkleiden beobachtet.

Entblößtwerden oder Selbstentblößung sind zugleich Zerstörung der Schönheit. Wo der Mensch sein Geheimnis unbesehen preisgibt oder seines Geheimnisses beraubt wird, geht er seiner Schönheit verlustig. Allein die Scham als Geschenk, mit dem Gott Menschen erhält, schützt die Schönheit vor dem Zerbrechen.

Gott will weder die Nacktheit des Glaubens noch die Nacktheit des Körpers, aber auch nicht die Nacktheit des Redens, Denkens und Fühlens. Die Scham ist eine Gabe Gottes, mit der Gott die Schönheit des Menschen schützt und erhält. Wer die Scham als Gabe Gottes missachtet, verliert die Ehrfurcht vor dem Leben.

Dannah Gresh


Ein Auszug zu Studienzwecken
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