Der Selbstwert des Menschen - Tatsache oder Täuschung?

von Dr. Els Nannen, Driebergen (Niederlande)


Viele Christen, die sich an der Humanistischen Psychologie orientieren, betonen den sogenannten Selbstwert des Menschen und dementsprechend die Wichtigkeit eines persönlichen „Selbstwertgefühls“. Sie versuchen, das humanistische Selbstbild christlich zu frisieren.

Was ist das Menschen- und Selbstbild des Humanismus?: Der Humanismus geht von der Vorstellung aus, der Mensch habe in sich selbst ein ungeahntes, ungeheures Potential, eine wahre „Goldmine“ (D. Seamands) menschlicher Möglichkeiten, um das Höchste und Beste aus seinem Leben zu machen und das Leben mit seiner schweren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu meistern. Der Mensch sei und habe alles in sich selbst, er wisse und könne alles aus sich selbst heraus. Das Glaubensbekenntnis eines Humanisten könnte lauten: „Ich habe einen guten Kern. Ich glaube an den Menschen bzw. an mich selbst. Alle meine Quellen sind in mir.“ Demgegenüber steht das Glaubensbekenntnis eines bibeltreuen Gotteskindes: “Ich weiß, daß in mir, dass heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Ich stelle mein ganzes Vertrauen auf den dreieinigen Gott und seine Gnade allein. Alle meine Quellen sind in Dir“ (Römer 7:18; Hebräer 12:2; Psalm 87:7 b).

Das angeblich innewohnende Potential im humanistischen Menschenbild soll zur Selbstverwirklichung tendieren. Der Weg dazu ist das richtige (humanistische) Selbstbild, Selbstfindung, Selbstannahme, Selbstwertgefühl, Selbstliebe, Selbstentfaltung, Selbstbestimmung usw. Demgegenüber bezeugt Gottes Wort, daß die innewohnende Erbsünde (die alte Natur) des gefallenen (!) Menschen zur Selbsterhöhung, Selbstliebe usw. und zur Feindschaft bzw. zum Ungehorsam gegen Gott und sein Wort tendiert. Die Bibel offenbart das Gesetz der Sünde (Römer 7), sagt aber nichts über ein Gesetz der „ungeahnten menschlichen Möglichkeiten“. Die von Gott bei der biblischen Wiedergeburt geschenkte neue Natur lobt den Wert und die Würde Gottes und des Lammes Gottes. Im humanistischen Menschen- und Selbstbild stellt sich dagegen der sündige Mensch Gott gleich und macht sich zum Gott.

Was sagt nun Gottes Wort zum humanistischen Thema „Selbstwert“?
Der Mensch in seinem kreatürlichen Aspekt

Der Wert des von Gott geschaffenen Menschen liegt völlig außerhalb von ihm und zwar in seinem Schöpfer. Der Wert seines Ursprungs liegt nicht im Ton selbst, sondern im Töpfer. Der Wert des menschlichen Wesens liegt nicht im Menschen selbst - der Wert des „ Bildes Gottes“ liegt in seinem Schöpfer, dem „ Urbild“. Auch der Wert seiner Bestimmung liegt nicht im Menschen selbst, sondern in Gott, den er durch Gegenliebe, Vertrauen, Gehorsam und Dienst verherrlichen darf.
1.
Der Mensch in seinem hamartologischen Aspekt

Als das Haupt der Menschheit, der erste Adam, Gott ungehorsam wurde, verlor der Mensch seine Lebensbeziehung zu Gott und damit alles. Der Mensch, mit dem jeder Psychologe, Psychiater bzw. Psychotherapeut und Seelsorger zu tun hat, ist ein gefallener Mensch. Es ist nichts in ihm, an dem man anknüpfen könnte: er ist nichts und hat auch nichts in sich selbst; er weiß nichts und kann nichts aus sich selbst heraus.

Das biblische Bild des gefallenen Menschen ist erschütternd: er ist verloren (Matthäus 18:11), ein Feind Gottes (Römer 5:10), unter Gottes Zorn (Johannes 3:36), tot in Sünden (Epheser 2:15), Sklave der Sünde (Johannes 8:34; Römer 7), in ihm ist nichts Gutes (Römer 7:18), er tut nichts Gutes (römer 3:12), der Verstand ist verfinstert (Epheser 4:17), seine Gesinnung ist Rebellion gegen Gott (Römer 8:8- 6), er steht unter der Herrschaft Satans (Epheser 2:2)  usw.

So wurde der geschaffene Mensch wie eine Motte (Hiob 4:19), wie ein Wurm (Hiob 23:6; Jesaja 41:14),
wie ein Hauch (Hiob 7:7; Psalm 144:4), wie Gras (Psalm 103:15-16; Jakobus 1:10) ...

Dieser verlorene, gottfeindliche, tote, in Sünden versklavte Mensch soll nun einen „Selbstwert“ haben?? Grundsätzlich ist der gefallene Mensch blind für sich selbst und für seinen wahren Zustand.

Beispielhaft für den sündigen Menschen in seinem Wunsch nach Größe und seinem Größenwahn sind zum Beispiel:
2.
Der König von Tyrus, dessen Herz sich erhob, der „ hoch hinaus“ wollte und sagte: „Gott bin ich“ - autonom, selbstherrlich, voll Selbstwert, selbstgenugsam usw. (Hesekiel 28)

Der König von Babel, der sich in seinem Herzen über Gott stellte; er wollte „ hinauf“ und sich Gott gleich machen (Jesaja 12:12-14)

Theudas, der sagte, daß „ er etwas sei“ (Apg. 5:36). Er hatte also ein hohes „ Selbstwertgefühl“

Simon, der Zauberer, der von sich selbst sagte, daß er etwas Großes sei (Apostegeschichte 8:9)

Herodes, der sich zu gerne gefallen ließ, daß das Volk seine Rede als „ eines Gottes Stimme“ bezeichnete, und der nicht Gott die Ehre gab (Apostelgechichte 12:21- 23)

Schließlich der Antichrist, der Mensch der Sünde, der sich über Gott erhebt und von sich sagt, er sei Gott
(2. Thessalonicher 2:4; Daniel 11:36; Offenbarung 13:6).
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Was ist der (sündige, vergängliche) Mensch, daß der heilige, ewige Gott seiner gedenkt? (Psalm 144:3)
Das Gotteskind in seinem soteriologischen Aspekt

Der gefallene Mensch, in sich selbst völlig wertlos, ist also Sünder, ein Rebell und Feind Gottes.

Was trieb nun Gott dazu, seinen eingeborenen, sündlosen Sohn für uns zur Sünde zu machen? Etwa der „Selbstwert“ des Menschen? Nein, es war seine unermeßliche, unbegreifliche und völlig unverdiente Liebe zu den Verlorenen, zu seinen Feinden (Römer 5:6-10; Johannes 3:16).

Es gab und gibt keinen Wert, keinen guten Kern, keinen Anknüpfungspunkt im verlorenen Menschen, bei dem Gott ansetzen konnte und kann. Es ist alles lauter unverdiente Gnade, dass heißt Begnadigung des zum Tode verurteilten Menschen
(1. Mose 2:17), der den ewigen Tod verdient hat. Begnadigt indem Geliebten, in Jesus Christus (Epheser 1:6) - nicht weil wir „so wertvoll“ waren, sondern trotz unserer totalen Wertlosigkeit und Sündigkeit.

David Seamands schreibt: „Wir sind jemand, den Gott für so wertvoll erachtet, daß er seinen geliebten Sohn in den Tod gab, um uns zu erlösen“ (Heilung der Gefühle, Seite 64). Diese Irrlehre, die aus der Orientierung an der humanistischen Psychologie stammt, hat sich über evangelikale Verlage, Bücherprospekte, Buchhandlungen, Büchertische, Kassetten, Vorträge und Psychotherapie in der Gemeinde Jesu weit verbreiten können. Solche, die sie verkündigen und annehmen, beweisen damit, daß sie eigentlich weder ein biblisches Selbstbild besitzen noch begriffen haben, was Gottes Begnadigung beinhaltet.

Das ist gerade das Unfaßbare, daß Gott uns, wertloses „Material“, mit dem höchsten Preis, dass heißt mit dem kostbaren Blut Jesu erkauft und erlöst hat (1. Petrus 1:18-19; Apostelgeschichte 20:28; 1. Korinther 6:20; 7:23; Offbenbarung 5:9).

Der einzige Wertvolle ist Jesus Christus, der kostbare Eckstein (Jesaja 28:16; 1. Petrus 2:4,6).

Gott sieht seine Kinder nur in seinem kostbaren Sohn an. Ein Gotteskind hat keinen „Selbstwert“, keinen Wert in sich selbst.

Der Wert des begnadigten Sünders liegt gänzlich außerhalb seiner selbst, und zwar im kostbaren Geliebten, Jesus Christus, durch dessen kostbares  Blut. Alles was ein Kind Gottes ist und hat, ist und hat es ausschließlich in Christus (Apgostegeschichte 4:12; 1. Korinther 1:30; Epheser 1:3 usw.), aus lauter Gnade Gottes (1. Korinther 15:10).

Begnadigung und Gnade Gottes schließen jeden Selbstwert des Menschen völlig aus. Paulus, der all seinen „ Selbstwert“  für Dreck achtete, sagte: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; nicht mehr ich - sondern Christus“ ( Philipper 3:4-12; Galater 2:20). So ist „der Tod seiner Frommen kostbar in den Augen des HERRN“ (Psalm 16:15).
3.
Das Gotteskind in seinem eschatologischen Aspekt

Auch in der Offenbarung des verherrlichten Herrn Jesus an Johannes lesen wir nichts von einem „Selbstwert“ des gefallenen oder erlösten Menschen. Im Mittelpunkt steht das wertvolle, kostbare Lamm Gottes, dass würdig ist zu empfangen ... (Offbenbarung 5:11-14).
4.
Der Aspekt von Psalm 8

Oft muß Psalm 8 humanistisch- psychologisch orientierten Christen dienen, um ihre Selbstwert-Ideologie zu legitimieren.

Dazu wäre aber folgendes zu sagen:
5.
Psalm 8 beginnt und endet nicht mit dem Lob auf den Selbstwert des Menschen, sondern mit dem Lob auf die Herrlichkeit Gottes: „Wie herrlich ist dein Name, deine Hoheit...“

„Wenn ich anschaue deiner Finger Werk“ - nicht: wenn ich mich selbst, meine menschlichen Möglichkeiten, meinen Selbstwert anschaue!

Psalm 8 zeigt gerade, wie klein und unbedeutend der Mensch im Vergleich zum gewaltigen Universum ist. Da gibt es keinen Grund, viel von sich zu halten und sich selbst zu erheben.

Psalm 8 zeigt den kleinen Menschen in seiner großen, kreatürlichen Aufgabe und Verantwortung Gottes Schöpfung gegenüber.

Psalm 8 ist vor allem ein messianischer Psalm: er bezieht sich auf Jesus Christus (Hebräer 2:6-8 ). Weil Vers 6 mit dem Wort „Denn“ beginnt, beziehen sich nicht nur die Verse 6-7 auf den Herrn Jesus.
a)


b)


c)


d)


e)
War Israel kostbar in sich selbst?

Gottes Wort sagt deutlich: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes...“ (Römer 3:23). Gott erwählte Israel aus unverdienter Liebe (5. Mose 7:7-8), und um sein Eigentum zu sein (2. Mose 19:4-6; 5. Mose 7:6 usw.), damit es ein Segen für alle Völker wäre (1. Mose 12:2-3; Galater 3:8).

Israel war teuer (kostbar) in Gottes Augen, weil aus ihm der kostbare Heiland kommen sollte und dieser mit seinem kostbaren Blut das Heil der Welt werden würde (Jesaja 43:1- 4; Johannes 4:22; Römer 9:5).

Wer die humanistische Selbstwert-Ideologie angenommen und gar verbreitet hat, bekenne dem allein wertvollen Herrn Jesus Christus seine Schuld und bezeuge mit Paulus:
5.
„Doch ich sehe mein Leben als für mich selbst völlig wertlos an, wenn ich nur meinen Lauf mit Freuden vollende und den Dienst zum Abschluß bringe, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich Zeugnis für die Heilsbotschaft von der Gnade Gottes abzulegen“

(
Apostelgeschichte 20:24 nach der Menge-Übersetzung)
(Zur besseren Übersicht- und Verständlichkeit haben wir in der Kapitelaufteilung und Satzbildung dieses Themas nur zum Teil einige leichte Verändungen vorgenommen)
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