Darf ein bekehrter Christ einen Unbekehrten heiraten?

Hier werden wir zu einigen Worten in bezug auf eine Frage veranlasst, über die unter den Christen oft geteilte Meinungen geherrscht haben, nämlich, ob ein bekehrter Christ jemals einen Unbekehrten heiraten dürfe. Untersuchen wir dann zuerst, ob im Worte Gottes ein bestimmtes Gebot in bezug auf diese Sache gefunden wird, finden wir im Alten Testament nur Gesetze für die Kinder sich nicht mit den Heiden zu befreunden; und dies ist wohl in Beziehungen unserer Frage gleich, aber doch in vielen Beziehungen eine ganz andere Sache. Bedenklicher ist es, wenn von den Nachkommen des frommen Seth, den Kindern der ersten heiligen Patriarchen, gesagt wird, dass „diese Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen sahen, wie sie schön waren, und nahmen zu Weibern, welche sie wollten. Da, beachte, da sprach der Herr: Die Menschen wollen sich von meinem Geist nicht mehr strafen lassen, denn sind sie Fleisch,,“ (1. Mos. 6, 2. 3). Im Neuen Testament finden wir nur, dass, wenn ein Gläubiger schon einen Ungläubigen zum Gemahl hat und der unbekehrte Gemahl willens ist, bei dem Gläubigen zu bleiben, dieser sich nicht von ihm scheiden darf
(1. Kor. 7, 12, 13), sowie noch ein Wort, welches direkter in unserer Frage redet, wenn Paulus sagt: „Haben wir nicht Macht, eine Schwester zum Weibe mit umherzuführen?“
(1. Kor. 9, 5). Etwas, was direkter von dieser Sache redet, finden wir nicht in der Schrift.
2. Kor. 6, 14-16 handelt wohl nicht direkt und ausschließlich von dieser Frage, hat aber doch eine starke Stimme in dieser Sache, wenn es heißt: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen; denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? usw. Wie stimmt Christus mit Belial? Was hat der Tempel Gottes für Gleichheit mit den Götzen? Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes usw.“ Möge man nun die angeführten Bibelsprüche für mehr oder weniger in der Sache redend ansehen, so wollen wir nur bemerken: Ist es nicht eine allgemeine Klage unter den Christen, wie schwer es ist, auch nur einen Tag genötigt zu sein, mit den Ungläubigen umzugehen, wenn die Werke des Berufes es erfordern? Wie kann ein lebendiger Christ sich darum wünschen, für sein ganzes Leben in einer so nahen Vereinigung mit den Ungläubigen zu sein, wie das Band der Ehe sie in sich umschließt? Mit demjenigen, den man am meisten liebt, nie recht vertraulich von den teuersten Angelegenheiten seines Lebens reden zu können, mit demjenigen, mit dem man sein Leben teilen will, nie seine Knie vor dem Gott seines Lebens beugen und als Geschwister mit dem gemeinsamen Vater reden zu können, sondern Tag und Nacht aufs engste mit einer Person vereinigt zu sein, die schon durch ihren Geist allem Heiligen zum Hindernis ist, wenn sie auch in allem Äußeren umgänglich ist, - kann das einem Christen mit einem gesunden Gnadenleben im Herrn erwünscht sein? Sollte ein gesunder, besonnener Christ nicht auf seinen Knien Gott um Verschonung davor bitten, genötigt zu sein, mit einem Gottlosen vereinigt zu werden? Auf solche Gründe hin haben viele die Echtheit und das Leben des Christentums derjenigen, die nur die Frage erwogen, ob sie einen Unbekehrten heiraten sollten, bezweifeln wollen. Aber wir müssen dessen eingedenk sein, dass es nie so grell aussieht, wenn es geschieht, wie jetzt, wenn wir der Sache in die Tiefe blicken. Die Liebe, die ja „alles hoffet“, bewirkt, dass der liebende Christ den Geliebten stets „so nahe dem Reiche Gottes“ sieht. Es heißt: „Er ist vom Worte so gebeugt; ich glaube gewiss, dass er ein Christ werden wird; vielleicht soll ich das Mittel dazu sein; ja, vielleicht wird eine verneinende Antwort von meiner Seite Ursache zu seinem ewigen Tode!“ Wenn der Unbekehrte einen Bekehrten liebt, unternimmt er auch immer eine gewisse Bekehrung. Gerade solche Umstände verstricken manchen einfältigen Christen und haben zuweilen die allertraurigsten Folgen gehabt. Zuweilen ist es auch glücklich abgelaufen, ein einzelnes Mal so, dass die genannte Hoffnung wirklich in Erfüllung gegangen ist, öfters so, dass ein beschwerlicher Gemahl dem Gläubigen zu einer scharfen, aber heilsamen Züchtigung geworden ist. „Gott kann den Schaden zwingen, dass er muss nützlich sein.“ Aber der unbekehrte Liebhaber hat auch eine Hoffnung, welche - leider - oft in Erfüllung gegangen ist, dass nämlich das Fleisch beider den Geist des Einen überwunden hat.
Wird ein Christ dann von einem Bruder oder einer Schwester bezüglich einer Heirat mit einem Unbekehrten um Rat gefragt, was soll er dann antworten? - Antworte z. B. also: „Hast du eine Wahl? Kannst du tun, was du willst? Bist du nicht schon durch die Liebe. gebunden? - Kannst du frei werden, so brauche es viel lieber (1. Kor. 7, 21). Bitte Gott, dass du frei werdest! Was weißt du aber, du Weib, ob du den Mann werdest selig machen? Oder du Mann, was weißt du, ob du das Weib werdest selig machen? (v. 16). Nein, fliehe, fliehe, wenn du kannst!“ Aber - es kommt doch, - lasst uns annehmen, es kommt doch zur Heirat, - was soll man dann sagen? Ja, was soll man dann sagen, wenn nicht: „Gott lenke es jetzt! Und trage dein Kreuz mit Geduld und bitte Gott, dass Er deine Seele erretten möge!“ - Warum ein solcher Schluss in der Frage? Darum weil nichts anderes hilft; darum, weil gewöhnlich keine Kraftworte; Warnungen, Gebete und Fürbitten helfen! Und wenn der Gläubige noch seinem Heiland folgen will, wer kann ihm absprechen, dass er noch Seine Gnade besitzt?
Aber hiermit hängt eine andere Frage zusammen. Mancher junger Christ sagt: „Auch wenn es sich um keinen Ungläubigen handelt, so bin im doch ungewiss, ob Gott diejenige für mich bestimmt hat, die ich liebe. Wie soll ich den Willen Gottes zu wissen bekommen?“ - Hier haben wir einen guten Rat zu geben. Aber zuerst ein Wort davon, dass du wirklich nach dem Willen Gottes fragst. Ach, dass alle jungen Christen tief beherzigen lernten, dass dies das einzig Wichtige in dieser Frage ist, nämlich dass der Wille Gottes geschieht. - Dass eine Person christlich und ferner mit allen guten Eigenschaften geschmückt ist, ist durchaus nicht genügend. Ich habe noch nötig, zu erfahren, ob sie auch gerade die Person ist, die Gott für mich bestimmt hat. Denn erstlich kann ich ja nicht einmal einen Tag im voraus sehen, was mit der Person in Zukunft geschehen kann, - Krankheit, Tod, Abfall usw. Es gibt unzählige Fälle, die mein Glück zunichte machen können. Aber weiß ich nur, dass diese mir von Gott gegeben ist, dann möge Sorge oder Freude eintreten, so ist es doch lauter Glück. Darum sagte einst ein geprüfter Christ: „Wenn Gott mich hieße, meinen Gatten frei zu wählen, und in einer Reihe alle Gegenstände meiner Wahl aufstellte und spräche: Nimm, welche du :willst, ,so würde ich antworten: „Nein, du guter Gott, wähle Du für mich; ich sehe nicht, was morgen geschehen kann; gib Du mir diejenige, die Du für mich bestimmt hast!“ - Wie wichtig ist es außerdem, in allen künftigen Anfechtungen und Versuchungen mit Gewissheit sagen zu können: „Diese, das weiß ich, hat Gott Selber mir gegeben.“ - Nun wird gefragt: Wie kann man zu einer solchen Gewissheit davon gelangen? - Ja, höre! Bist du mit dem Heiland bekannt, so lege deine Sache Ihm in ernstlichem Gebete dar, dass, wenn die Person, an die du denkst, die rechte sei, die Er für dich bestimmt habe, Er die Sache dann gelingen lassen wolle, aber im entgegengesetzten Fall in Gnaden ein so kräftiges Hindernis in den Weg legen wolle, dass es unmöglich geschehen kann. Bete: „Treuer Gott! Höre nicht auf den Wunsch meines armen Herzens, sondern tue Du nach Deinem heiligen Willen usw.“ - Tue dann darauf deinen Schritt und vollziehe die Ehe, wenn kein Hindernis in den Weg kommt, und sei dessen ganz gewiss, dass der Wille Gottes geschehen ist. „Wieso? Kann ich nicht doch meinen Willen gefolgt sein?“ Ich glaube, dass du gerade darum batest, dass Gott mit seiner Macht verbieten möge, dass etwas gegen Seinen Willen geschähe. Glaubst du denn nicht an die Macht des Herrn, deinen eigenen Willen verhindern zu können? Und Gott musste wohl selber am liebsten nach Seinem eigenen Willen tun wollen, am allerliebsten, da du Ihn darum batest. Es ist ein bestrafenswerter Unglaube, nachdem man also gebetet hat, noch zu denken: Wer weiß, ob nicht mein eigener Wille geschehen ist? Denn gerade gegen diesen riefst du ja Gott an! Nein, so gewiss du dir dessen bewusst bist, dass du wünschtest, Gottes Wille möge geschehen, ebenso gewiss sollst du wissen, dass das, was du jetzt erhalten hast, von Gott ist, ja noch gewisser; denn es ist Gott noch mehr an unserem Besten gelegen als uns selber.



Abschrift aus C.O. Rosenius „Geheimnisse im Gesetz und Evangelium oder Wirst du auch wirklich selig werden?“
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